Woher kommen die Finanzprobleme des GRIPS Theaters?

Das GRIPS Theater als gemeinnützige GmbH hat folgenden Bildungsauftrag formuliert: "Die Gesellschaft will in ihrem Zweck einen Beitrag zur Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur und zur Völkerverständigung leisten". Wir sind also kein profitorientierter Wirtschaftsbetrieb, sondern ein seit über 45 Jahren weltweit anerkanntes Kinder- und Jugendtheater, das sich für die Emanzipation und kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen aller Schichten engagiert- Dass im Hinblick auf das Zielpublikum die Eintrittspreise 6 - 7 Euro nicht übersteigen können, wird dabei von der Kulturverwaltung leider völlig ignoriert. Im Gegenteil: Ein Erwachsenen-Theater mit vergleichbaren Zuschauerzahlen wie GRIPS, wie z.B. das Gorki-Theater, erhält das Vierfache der GRIPS-Subventionen und gilt damit immer noch als armes Theater.

Seit Jahrzehnten wird die Arbeit des GRIPS Theaters als wichtiger Beitrag zur Berliner Kultur vom Senat bezuschusst. Doch während anderen Theatern Tariferhöhungen und strukturelle Defizite ausgeglichen werden, geht GRIPS leer aus. Real gesehen sinkt unser Etat von Jahr zu Jahr. Seit Jahren meldet Volker Ludwig ein strukturelles Defizit von 150.000 Euro pro Jahr an. Diesem wurde 2012 nach langen Kämpfen endlich mit 100.000 Euro begegnet, die wegen einer einmaligen 2%igen Tariferhöhung sowie gestiegener Allgemeinkosten wie Mieten längst aufgebraucht sind.

Das GRIPS hat seine Spielkapazität in den letzten Jahren bis an die Grenzen des Menschenmöglichen gesteigert und unablässig Drittmittel eingeworben. Doch trotz einer Rekordauslastung von fast 90 % fuhr GRIPS 2014 wegen seiner chronischen Unterfinanzierung ein Defizit von 30.000 Euro ein. Und für 2015 erwarten wir ein Defizit von ca.135.000 Euro, weshalb eine Haushaltssperre verhängt werden musste. Wenn sich an dieser Lage nichts Grundsätzliches ändert, wären die unvermeidlichen Folgen: noch geringere Produktionsmöglichkeiten, Personalabbau, Qualitätsverlust und dadurch weitere Einnahmeverluste und Verschärfung der finanziellen Krise bis zur Insolvenz. Durch den vorzeitigen Weggang von Stefan Fischer-Fels und die Mitnahme eines Teils des Ensembles sind Umbesetzungen fast aller Stücke notwendig, um überhaupt spielfähig zu bleiben. Da die Abgehenden aus Ensemble und Leitung bis August 2016 angestellt bleiben, belaufen sich die einmaligen Mehrkosten wegen personeller Doppelbelastung und aller Stück-Neueinrichtungen auf ca. 250.000 Euro.

Wenn die Zukunft des GRIPS Theaters gesichert sein soll, muss der Senat folgende Maßnahmen ergreifen:
- Ausgleich des strukturellen Defizits von mindestens 150.000 Euro (zusätzlich zum zugesagten 1%igen Inflationsausgleich 2016/17)
- einmalige Übernahme des erwartbaren Defizits 2015 von 135.000 Euro
- einmalige Übernahme der Kosten für Umbesetzungen und Leitungswechsel (s.BE bzw. Volksbühne) in Höhe von 250.000 Euro
- Ermöglichung von Tariferhöhungen (wie z.B. für das Theater an der Parkaue)
- einen Sachmittel-Etat für die Theaterpädagogik und die Öffentlichkeitsarbeit

Volker Ludwig
Geschäftsführer des GRIPS Theaters